Rapperin, FM4-Moderatorin und Autorin Nina Sonnenberg alias Fiva
ORF/Nina Stiller
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Porträt

Nina „Fiva“ Sonnenberg

Als Fiva ist sie eine der bekanntesten deutschsprachigen Rapperinnen – und ein wahres Multitalent: Nina Sonnenberg rappt, dichtet, schreibt, moderiert und legt wöchentlich für FM4 auf. Nun ist die Münchnerin Teil der Jury von „Starmania 21“. Die Entscheidung in einer Castingshow zu sitzen mag vielleicht erst ungewöhnlich anmuten, doch: „Wenn, dann jetzt“, so Sonnenberg.

Rap und Pop lasse sich heute jedenfalls durchaus vereinen, so Fiva im Gespräch mit ORF.at: „Wir sind nicht mehr in 1996, es ist nicht mehr so, dass, wenn du ein Liebeslied rappst, du aus der Szene geschmissen wirst. Rap ist irrsinnig vielfältig geworden.“ Und: „‚Gibt es im Pop noch ein Lied, in dem nicht gerappt wird?‘, muss man fragen“, so Sonnenberg.

Die 1978 geborene Künstlerin ist jedenfalls fix in der deutschen Szene verankert. 1999 stand sie als Fiva MC erstmals auf der Bühne, im Jahr darauf tourte sie bereits quer durch den deutschsprachigen Raum, wenig später folgte der erste Plattenvertrag und 2002 dann das erste Album, „Spiegelschrift“.

Von da an entwickelte sich Sonnenbergs Karriere erfolgreich in viele Richtungen: 2006 gründete Fiva ihr eigenes Label, in den Folgejahren veröffentlichte sie Bücher, neue Alben, moderierte im Fernsehen und reiste für Reportagen quer durch Europa. Für ihre Fernsehsendungen wurde Sonnenberg zweimal für den renommierten Grimme-Preis nominiert.

Österreichische Musik mit „eigenem Sound“

Jeden Sonntag moderiert Sonnenberg darüber hinaus „Fivas Ponyhof“ auf FM4 – und kennt die heimische Musik auch deshalb ganz genau. Sie sei ein „großer Fan“ österreichischer Musikerinnen und Musiker, die Entwicklung in den letzten Jahren sei „unglaublich“ gewesen – umso glücklicher zeigt sie sich, dass die heimische Musikbranche zuletzt gewachsen und auch in Deutschland angekommen ist.

Nina „Fiva“ Sonnenberg auf dem Frequency Festival 2017
APA/Herbert P. Oczeret
Als „Fiva“ steht Sonnenberg seit über 20 Jahren auf der Bühne, hier auf dem FM4 Frequency Festival 2017

Den österreichischen Sound, den sie bei FM4 kennengelernt habe, sei „schlau, unterhaltsam“ – und „einfach immer besonders.“ Was Musik aus Österreich ausmacht? „Dass man hier so ein ‚Inseldenken‘ hat“, man habe „nicht immer nach Deutschland geschaut“, sondern stattdessen auf einen „eigenen Sound“ gesetzt, so die Künstlerin.

„Was Besonderes für mich, in einer Casting-Jury zu sitzen“

Dass ihr Weg jetzt in die „Starmania“-Jury geführt hat, mag mit ihrem Hintergrund als Rapperin abseits des Mainstreams nicht gleich auf den ersten Blick zusammenpassen. „Ich mag Pop, ich mag Musik, ich mag gut gemachte Musik“, so Sonnenberg. Doch: „Das kann ich nicht leugnen, es ist schon was Besonderes für mich, in einer Casting-Jury zu sitzen.“

Aber gerade momentan sei der richtige Zeitpunkt dafür. „Ich habe jetzt seit einem Jahr nicht mehr gespielt, ich habe keine laute Musik mehr gehört“, so Sonnenberg. „Ich glaube: Wenn, dann jetzt.“ Vor allem die Situation von jungen Musikern sei auch ein Faktor gewesen: „Wenn du ein Newcomer oder eine Newcomerin bist kannst du gerade nichts machen. Du kannst nicht mit auf Konzerte gehen, du kannst nicht üben, du kannst dich nicht ausdrücken.“

Stars von heute „viel selbstbestimmter“

Fiva selbst steht bereits seit über zwanzig Jahren auf der Bühne – seither hat sich einiges verändert. Auch das Star-Dasein ist heute anders als damals – heute könne man etwa „viel selbstbestimmter sein“, zum Beispiel über Soziale Netzwerke, wo man selbst entscheiden könne, wie man sich präsentiert. Gleichzeitig gibt es mehr Austausch mit dem Publikum, man sei „angreifbarer“, das komme mit Vor- und Nachteilen.

Ich glaube, man sieht sofort das Potenzial von jemanden. Man sieht ein Leuchten – das ist gar nicht esoterisch gemeint.

Bei „Starmania“ will Fiva „einfach Menschen sehen“, so die Rapperin zu ihrer Rolle in der Jury. „Ich glaube, man sieht sofort das Potenzial von jemandem.“ Da gehe es um „ein Leuchten – das ist gar nicht esoterisch gemeint“, man sehe jedenfalls die Ausstrahlung eines Menschen, das „ist auch das erste was du spürst“, so Sonnenberg.

„Jetzt brauchen wir sowas“

Bei einer Castingshow gehe es nicht allein um die Stimme, die „natürlich wahnsinnig essenziell ist“. Aber es gebe auch was „ganz Visuelles“. Letztendlich gehe es um „etwas ganz Bestimmtes“, doch „dieses Bestimmte lässt sich gar nicht in Worte fassen“ – das mache letztendlich das Unikat aus, und „dadurch besteht die Möglichkeit ein Star zu werden und zu bleiben, weil das vergisst man nicht.“ Ihr Tipp für den Auftritt: „In dem Moment reicht es, wenn du auf die Bühne kommst, die Bühne einnimmst und sagst hier bin ich – und dann musst du noch singen können.“

Und nicht nur für Sonnenberg selbst ist jetzt der richtige Zeitpunkt für „Starmania“ gekommen: „Ich glaube, dass sich bei ganz vielen Menschen ganz viel Energie aufgestaut hat.“ Sie wünsche sich „Unterhaltung“ und „kurze Pausen“ angesichts der aktuellen Situation. „Ich habe das Gefühl, jetzt brauchen wir sowas“, so Sonnenberg.