Monika Ballwein beim Recall
ORF/Hans Leitner
ORF/Hans Leitner
Monika Ballwein

Auf der Suche nach dem guten Ton

Monika Ballwein sorgt seit den „Starmania“-Anfängen dafür, dass die Kandidatinnen und Kandidaten bei ihren Auftritten das meiste aus ihrer Stimme herausholen. Als Vocal Coachin kann sie auf viel Erfahrung zurückgreifen: Schon viermal stand sie auf der Songcontest-Bühne – und war etwa Gesangstrainerin von Conchita. Sie selbst sieht sich vor allem als „Diagnostikerin“, der nur wenig Zeit bleibt, um zu erkennen, worauf es ankommt.

Wer die langen Gänge des ORF-Zentrums entlanggeht, kann schon aus der Ferne hören, wo an den „Starmania“-Stimmen gearbeitet wird: In den Vocal-Coaching-Räumen geht es um den richtigen Ton für den Auftritt der Kandidatinnen und Kandidaten am Freitagabend. Monika Ballwein ist seit der ersten „Starmania“-Staffel im Team, seit 2004 ist sie für das Stimmtraining zuständig – keine leichte Aufgabe, wie sie im Gespräch mit starmania.ORF.at sagt.

Denn: Jeder „Starmaniac“ ist komplett unterschiedlich. „Es ist wie Äpfel, Birnen und Gemüse zugleich“, so Ballwein nach einer ihrer Trainingseinheiten. „Mit jedem muss ich anders arbeiten“. Und während noch viele Kandidatinnen und Kandidaten im Rennen sind, bleibt nicht viel Zeit: Knapp zwei Stunden, aufgeteilt auf drei Einheiten, bekommen die „Starmaniacs“ jeweils für die Vorbereitung auf das Halbfinale.

Monika Ballwein mit Conchita
Privat
Ballwein war auch Mentorin von Songcontest-Star Conchita

Ziel: „Safer“ auf die Bühne

Wie kann man die „Starmaniacs“ in so kurzer Zeit am besten unterstützen? „Ich muss so arbeiten, dass ich sie nicht verwirre, sondern sie bestärke, ihre Schwächen ausbessere und ihre Stärken fördere und sie somit safer auf die Bühne schicke“, so Ballwein. Die Herausforderung fängt oft schon bei der Songauswahl an. Zwar wählen die Kandidaten ihre Songs selbst aus, aber „auch dann gibt es Songs, die oftmals auch für sie gewissermassen eine Challenge und Herausforderung bedeuten.“

Nicht zuletzt, weil der gewählte Song stark gekürzt wird – und sich der Kandidat damit ja auch vor der Jury behaupten können muss. Gerade da hilft die Vocal Coachin: "Ich versuche auch immer daraus mit ihnen den perfekten Song zu erarbeiten, einen Song, der Höhepunkte und eventuelle Money Notes (besonders dramatische Noten wie das „And I (…)“ in „I Will Always Love You", Anm.) hat.“

„Starmania“-Bühne lässt Kandidaten wachsen

In den Einheiten gehe es darum, „was den Kandidaten ausmacht, seine Stärken – und damit zu arbeiten“, so Ballwein. Und hier wird schlagend, dass jeder „Starmaniac“ eben seine „Uniqueness hat“ – auf die man sich erst einstellen muss. „Manche brauchen mehr Unterstützung bei gesangstechnischen Themen, manche brauchen mehr Hilfe in ihrer Interpretation.“

Und: Nicht jeder „Starmaniac“ hat sich schon mit der eigenen Stimme intensiv auseinandergesetzt – einige dafür umso mehr. „Manche kommen schon richtig fertig, die wissen schon, wie sie mit ihrer Stimme umgehen. Denen gebe ich dann eine andere Challenge, um sie in ihrer Entwicklung zu fördern.“ Die erfahrene Coachin sagt: „Ich sehe relativ schnell: Welches Knöpfchen kann ich drücken, das er noch nicht von sich kennt – da schöpfe ich aus meinem Bauchladen meiner jahrelangen Erfahrung.“

Vocal Coaching bei Monika Ballwein

Monika Ballwein ist seit 2004 für den „guten Ton“ bei „Starmania“ verantwortlich und trainiert die Kandidatinnen und Kandidaten

Fest steht jedenfalls, dass die „Starmania“-Bühne die Kandidatinnen und Kandidaten verändert. „Sie wachsen mit jedem Mal mehr, weil jede kleinste Erfahrung in dieser Zeit auch was mit jemandem macht, sie verändert, auf so einer großen Bühne zu stehen“, so Ballwein. „Sie kommen gestärkt wieder, mit einer neuen Erfahrung.“

Neue Stimmen für die 20er Jahre

In den knapp zwanzig Jahren, die seit Ballweins erster „Starmania“-Staffel vergangen sind, hat sich viel verändert – auch an den Stimmen selbst, so die Expertin. „Das beobachte ich seit Jahren“ – nicht zuletzt weil sie ja auch an ihrer eigenen Gesangsakademie unterricht.

Heutzutage komme es „extrem viel auf das Timbre und nicht unbedingt nur auf die Stimmgröße oder das Stimmvolumen“ an. Das ist ein Unterschied zu den 80er und 90er Jahren: „Da gab es diese großen, starken Stimmen gehabt – Whitney Houston, Celine Dion.“ Heute, „mit Billie Eilish und Co.“ sei das aber „nicht mehr so angesagt.“ Auch die Klangfarben habe sich sehr verändert, so Ballwein.

Vocalcoach Monika Ballwein
ORF.at/Sonia Neufeld
Auch die Stimmen selbst haben sich in den letzten zwanzig Jahren verändert, so Ballwein

Das mache es teilweise auch schwer, „Uniqueness“, also die Einmaligkeit, „schnell zu erkennen.“ Dazu beigetragen habe auch die Produktionsart, die nun „viel mit Effekten“ arbeite. Umso mehr stechen dadurch dann aber jene Stimmen heraus, die mehr Wiedererkennungswert haben – egal ob Miley Cyrus oder Sia. Effekte sind unterdessen fixer Bestandteil geworden: „Schnelle Vibratos sind bei Frauenstimmen vermehrt zu hören und Creaks und Clearings“ sind vor allem bei Männerstimmen wichtig geworden. „Das klingt zwar cool“ – dabei müsse man aber aufpassen und diese Effekte gesund erzeugen, damit sie die Stimme nicht belasten, so Ballwein.

Soziale Netzwerke als zweischneidiges Schwert

Die Rolle von Sozialen Netzwerken sieht Ballwein bei den jungen Künstlerinnen und Künstlern als Segen und Fluch. „Sie kommen mit einer irrsinnigen Selbstverständlichkeit daher“ – diese „hätten wir vielleicht damals auch gerne gehabt“, so die Trainerin. Gleichzeitig würden viele merken, dass „das Handwerk schon ein enorm wichtiger ‚Part of the Game‘ ist“ und eben nicht nur 15 Sekunden Ruhm auf TikTok. Es gehe darum, das „kurzlebige ‚Whoa!‘ länger und anhaltender auf die Bühne zu bringen.“

Ungeachtet dessen, dass für die „Starmaniacs“ der Weg nun steil bergauf geht – „Jeder kann singen“, gibt sich Ballwein überzeugt. Freilich heißt das nicht, dass der eigene Weg automatisch auf die große Showbühne führt, aber egal ob einfach so, im Auto oder unter der Dusche: Die Vocal Coachin verweist auf die positiven Effekte des Singens – und die Freude, die man daran haben kann. Und wer weiß: Vielleicht ist das ja auch der Grundstein für eine „Star“-Karriere.