Maurice Ernst von Bilderbuch
APA/BARBARA GINDL
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Musik

Pop aus Österreich zeigt auf

Christina Stürmer, Conchita, Bilderbuch, Wanda, Falco und viele mehr: Österreichische Musik ist ein erfolgreicher Export, vor allem in den letzten Jahren hat Austropop international wieder vermehrt für Schlagzeilen gesorgt. Das neue Selbstbewusstsein der heimischen Musik spiegelt sich nicht nur in den Charts wider – auch bei „Starmania“ spielt Austropop eine große Rolle.

Gleich neunmal haben sich die Kandidatinnen und Kandidaten in den Qualifikationsshows für einen österreichischen Song entschieden. Mit dabei sind freilich obligatorische Klassiker wie „Weus’d A Herz hast wia a Bergwerk“, doch auch der neue heimische Sound wird auf der Bühne zu hören sein, von Mathea bis Seiler & Speer.

In den vergangenen Jahren hat sich der österreichische Pop praktisch neu erfunden – international fand das Anklang. Egal ob Bilderbuch oder Wanda – mit „Schifoan“ und „Ba-Ba-Banküberfall“ gibt es nur noch wenig Gemeinsamkeiten, vor allem eine ordentliche Portion Lokalkolorit verbindet den Austropop von damals mit der neuen Welle.

„Starmania“ als Sprungbrett für internationale Bühne

Die Münchner „Starmania“-Jurorin Fiva, die regelmäßig bei FM4 moderiert, spricht von einem „Inseldenken“: Anstatt sich etwa an Deutschland zu orientieren, habe man hierzulande auf „einen eigenen Sound“ gesetzt, so die Rapperin. Die Entwicklung der heimischen Musik bezeichnet sie als „unglaublich“.

Christina Stürmer
Ingo Pertramer
Glücksfall „Starmania“: Christina Stürmer steht seit fast 20 Jahren auf der Bühne

Und auch die „Starmania“-Geschichte zeigt, dass österreichische Musik über Grenzen hinweg gut ankommt: Die Zweitplatzierte der allerersten Staffel, Christina Stürmer, steht mittlerweile seit fast zwanzig Jahren auf der Bühne – die Linzerin konnte neben Österreich vor allem in Deutschland große Erfolge feiern. Und Conchita, 2006 Teil der Castingshow, ging mit dem Sieg beim Eurovision Songcontest 2014 gleich um die ganze Welt.

Musikbranche komplett verändert

Nicht nur die österreichische Musik hat ein anderes Gesicht als damals, auch die Branche dahinter veränderte sich enorm. Dass heimische Acts über Grenzen hinweg bekannter denn je sind, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass Soziale Netzwerke zu Plattformen für Künstlerinnen und Künstler geworden sind, die Werke weltweit zugänglich machen.

Größere Reichweite verschafft aber nicht automatisch größeren Reichtum – denn egal ob Spotify oder YouTube: Nur sehr wenig Geld fließt für einen einzelnen Klick letztendlich an die Künstler. „Online verdient man fast nichts“, so die eher ernüchternde Einschätzung der Verwertungsgesellschaft AKM. Die AKM ist unter anderem dafür verantwortlich, dass Rechteinhaber von Songs Tantiemen bekommen. Das sind Komponisten ebenso wie die Songwriter und die Musikverlage.

Egal ob bei Konzerten, im Radio oder online: Je öfter ein Lied gespielt wird, desto mehr Geld verdient man damit letztendlich. Liveauftritte sind laut der AKM eine wichtige Einnahmequelle – gerade jetzt in der Coronavirus-Krise sind diese aber stark zurückgegangen, die AKM hat deshalb unter anderem einen Kultur-Katastrophenfonds eingerichtet. Und: Auch wenn ein Song im Ausland gespielt wird, sorgen gegenseitige Verträge der Verwertungsgesellschaften dafür, dass ein österreichischer Künstler entsprechend entlohnt wird.

Die Hits auf der „Starmania“-Bühne

Eines steht jedenfalls schon vor Start der neuen „Starmania“-Staffel fest: Auf der Bühne wird es ein vielfältiges Programm geben – neben österreichischer Musik wird es neue Hits und Klassiker zu hören geben, die die gesangliche Bandbreite der Starmaniacs am besten zur Geltung bringen.

Thomas Rabitsch
ORF/Hans Leitner
Thomas Rabitsch ist musikalischer Leiter bei „Starmania“

Hauptverantwortlich dafür ist der musikalische Leiter des ORF, Thomas Rabitsch. Er ist wie wenige andere ganz tief in der österreichischen Pop-Geschichte verankert: Schon am Anfang seiner Karriere arbeitete er mit Hans Hölzl alias Falco zusammen, er war Keyboarder bei Antipasta, jener Band, aus der später die EAV entstand – und als Produzent rund vier Jahrzehnte quer durch die gesamte Geschichte des Austropop tätig.

21 erfolgreiche Produzenten kümmern sich um Musik

Für „Starmania“ kümmert sich Rabitsch mit insgesamt 21 Produzenten darum, dass Kandidatinnen und Kandidaten am Abend der Show ihren Wunschsong zum Besten geben können. Dabei können die Starmaniacs aus einem riesigen „Pool“ wählen – der freilich auch viel österreichische Musik enthält. Die Songs werden daraufhin gekürzt und für die Kandidaten „maßgeschneidert“, also Anpassungen vorgenommen, damit sie sich mit ihrem gewählten Song auch wirklich „wohlfühlen“. „Starmania“ ist eine der wenigen Castingshows, bei denen derart maßgeschneidert vorgegangen wird.

Die 21 Produzenten kommen allesamt aus Österreich, unter ihnen sind auch „Amadeus“-Preisträger – gemeinsam decken sie das breite Spektrum des Songpools ab. Am Showabend begleitet dann das Halb-Playback die Kandidatinnen und Kandidaten. Für den Gesang sind die Starmaniacs freilich selbst verantwortlich – und müssen letztendlich so die Jury und das Publikum für sich gewinnen.