Bühne Starmania
ORF.at/Sonia Neufeld
ORF.at/Sonia Neufeld
Team

Die größte Showbühne aller Zeiten

Keine große Produktion ohne starkes Team dahinter: Viele Zahnräder müssen perfekt ineinander greifen, damit eine Unterhaltungsshow wie „Starmania 21“ entstehen kann – von der ersten Idee bis zum großen Finale. Hier beantworten Personen, die es wissen müssen, Fragen, die ihre Departments betreffen.

  • Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Revival von Starmania?

Markus Grieshofer, Redaktionsleiter:
Weil österreichische Musik in den letzten Jahren einen großen Aufschwung erlebt – nicht nur im Land, sondern auch international. Es sind viele Jahre vergangen, seitdem der ORF das letzte Mal eine Talentshow gezeigt hat: Inzwischen gibt es viele neue Nachwuchstalente, denen wir eine Plattform bieten wollen. Die vielen Bewerbungen haben gezeigt, dass wir damit nicht falsch gelegen sind. Außerdem gibt es in der jetzigen Zeit für junge Sänger und Sängerinnen kaum Auftrittsmöglichkeiten – auch da wollten wir gegensteuern.

Es ist eine schwierige Situation, aber wir haben genügend Erfahrungen bei anderen Shows gesammelt, um dem Zuschauer auch ohne Publikum eine perfekte Liveshow zu bieten. (Kurt Pongratz)

  • Wie ist es, ohne Publikum eine Liveshow zu inszenieren?

Kurt Pongratz, Regisseur:
Es ist eine schwierige Situation, aber wir haben genügend Erfahrungen bei anderen Shows gesammelt, um dem Zuschauer auch ohne Publikum eine perfekte Liveshow zu bieten. Und wir werden Schaltungen zu Freunden und Verwandten der Protagonisten haben. Wir haben auf jeden Fall versucht, es als Chance zu begreifen und den Architekten Florian Wieder damit beauftragt, eine Bühne zu entwerfen, die das Studio voll ausnutzt. Das ist die größte Showbühne, die jemals im Studio 1 gestanden ist. Falls es die Covid-Situation erlauben sollte und wir Publikum einladen dürfen, dann wird es auch diese Möglichkeit geben.

  • Was müssen die Kandidatinnen und Kandidaten mitbringen außer einer guten Stimme?

Marlene Scharf, Castingredakteurin:
Eine gute Stimme alleine reicht natürlich nicht: Die Kandidat*innen müssen auch wissen, was sie damit anfangen können. Das bedeutet: Wie interpretiert man den Song? Welche Performance möchte man auf die Bühne bringen? Wie kann ich in wenigen Minuten viele Menschen für mich begeistern? Das erfordert gesangliche Sicherheit, aber auch Mut, ein bissl „Rampensau“ und Authentizität. Es geht um die Fähigkeit, andere mitzureißen und in einem etwas auslösen zu können – was auch immer das ist, ob positiv oder negativ.

  • Was wird neu bei „Starmania 21“? Was wird von den früheren Staffeln beibehalten?

Mischa Zickler, Konzept:
Die Signation wird im Wesentlichen dieselbe sein – und natürlich gibt es auch ein Wiedersehen mit Arabellas Ergebnisröhren. Die größten Änderungen sind: Es gibt so viele Kandidat*innen wie noch nie – und über ihr Weiterkommen wird im Normalfall sofort entschieden und zwar von einer Jury. In den ersten vier Sendungen wird es ausschließlich neue Stimmen geben, erst ab der fünften sieht man Teilnehmer*innen zum zweiten Mal.

  • Wer sucht die Songs für die Kandidatinnen und Kandidaten aus?

Melinda Markowitsch, Redakteurin:
Natürlich die Kandidat*innen selbst. Ihnen werden mehrere Songs präsentiert, die sie auch alle ausprobieren und ansingen können. Uns ist aber ganz wichtig, dass sie die Entscheidung tatsächlich selbst treffen. Schließlich entscheidet schon diese Auswahl oft übers Weiterkommen. Mit einer falschen Wahl kann man sich da das Leben selbst schon schwer machen.

  • Wie hat sich die Castingshow-Landschaft international in den letzten 20 Jahren verändert?

Thomas Rabitsch, musikalischer Leiter:
Es gibt jetzt sehr viele verschiedene Formate, die immer Neues ausprobieren – manche Castingshows gehen mehr in Richtung pures Entertainment, andere in Richtung musikalische Glaubwürdigkeit. Was in den letzten Jahren weniger passiert, ist, dass man die persönlichen Geschichten der Kandidat*innen zum Mittelpunkt der Erzählung macht. Das finde ich persönlich gut – schließlich soll es um interessante Musik gehen, die spannend interpretiert wird. „Starmania“ ist zwar ein verdientes Format, wird aber durch die Änderungen 2021 ganz neu rüberkommen.

  • Welchen Rat gibt man den 64 Talenten im Vorfeld?

Monika Ballwein, Vocal Coach:
Das Wichtigste ist, dass sie sich nicht nur darauf konzentrieren, einen Song richtig zu singen, sondern ihn auch zu interpretieren. Jedes Lied hat eine Story – und die muss rüberkommen. Gefühl und Emotion sind wichtiger als Perfektion.

Vocalcoach Monika Ballwein
ORF.at/Sonia Neufeld
Vocalcoach Monika Ballwein war schon bei drei Staffeln „Starmania“ mit dabei
  • Ist es im kleinen Österreich zehnmal schwieriger, Talente zu finden als in Deutschland?

Astrid Brunnbauer, Redakteurin:
Ich glaube nicht, dass es zehnmal schwieriger ist, aber natürlich gibt es in einem großen Land mehr nachwachsende Talente. Letztlich geht es allerdings nicht darum, wie viele neue Stimmen es gibt, sondern darum, die Besten zu finden. Wir wollen eine Show sein, die möglichst vielen Leuten eine Plattform bietet: Wo sie sicher sein können, dass ihre Musik in den Mittelpunkt gestellt wird.

  • Was sind die größten Herausforderungen beim Drehbuchschreiben?

Gregor Barcal (Autor):
Abgesehen von der Verschriftlichung des Sendungsablaufs, damit Moderatorin, Kommentator und Juror*innen wissen, wann wer dran ist und nicht alle gleichzeitig reden, geht es darum, im Buch alles, was über die Kandidat*innen erzählt werden muss oder dem TV-Publikum erklärt werden muss, möglichst abwechslungsreich und unterhaltsam in – ganz wichtig – kurze, verständliche Sätze zu packen. Also genau das Gegenteil von dem, was ich hier gerade tue.

„Unser Anspruch ist es, keine Geschichte doppelt zu erzählen. Dazu kommt die recht sportliche Herausforderung, in Covid-Zeiten schöne Bilder zu generieren, was hinsichtlich verschlossener Räume und somit beschränkter Möglichkeiten durchaus eine Herausforderung darstellt.“ (Robert Reifer)

  • Wie erzählt man eine Geschichte in drei Minuten?

Robert Reifer (Projektmanagement Zuspielungen):
Geschichten in drei Minuten zu erzählen wäre keine große Kunst, denn das ist recht lang und ausgiebig. Bei „Starmania 21“ haben wir diesmal tatsächlich lediglich 30 bis 60 Sekunden pro Kandidat zur Verfügung, damit die Sendung schnell vorankommt und keine Längen entstehen. Wir müssen also in dieser extrem kurzen Zeit unsere Geschichten erzählen. Das geht nur mit wirklich intensiver redaktioneller Vorbereitung, wir wissen bereits vor Drehbeginn ganz genau, was wir über welchen Kandidaten erzählen wollen, und beschränken uns hier auf die besonders wesentlichen Merkmale jedes und jeder Einzelnen. Unser Anspruch ist es, keine Geschichte doppelt zu erzählen. Dazu kommt die recht sportliche Herausforderung, in Covid-Zeiten schöne Bilder zu generieren, was hinsichtlich verschlossener Räume und somit beschränkter Möglichkeiten durchaus eine Herausforderung darstellt. Aber wenn’s einfach wär’, könnt’s ja jeder (lacht).

  • Wie funktioniert der musikalische Produktionsablauf für so eine große Liveshow?

Anja Rabitsch (Projektmanagement Musikproduktion):
Die Kandidat*innen suchen sich ihre Songs jeweils am Samstag vor der nächsten Liveshow aus. Für neue Playbacks werden noch am selben Tag die Aufträge an die Produzenten vergeben, die bis Montag eine erste Fassung herstellen. Dann erhalten die Kandidat*innen im ORF-Tonstudio erstmals die Möglichkeit, ihre Songs zur richtigen Musik zu singen. Parallel dazu gibt es Chor- und Bläseraufnahmen in unserem Studio. Nach letzten Änderungen werden am Dienstag die finalen Mischungen vorgenommen und in der Nacht auf Mittwoch gemastert. Und dann beginnt das ganz wieder von vorne.