Arabella Kiesbauer
APA/Georg Hochmuth
APA/Georg Hochmuth
Interview

„Die Marke ‚Starmania‘ gehört wiederbelebt“

Im Gespräch mit ORF.at spricht Arabella Kiesbauer über eine ganz bestimmte Schwangerschaft, ihre Definition von Star-Appeal und ihren Umgang mit Alltagsrassismus. Die Moderatorin kann es kaum erwarten, endlich wieder auf der „Starmania“-Bühne zu stehen.

  • Arabella, wie geht es dir?

Danke, sehr gut. Ich bin schon in großer Vorfreude. Es ist mit „Starmania 21“ ein bisschen wie mit einer Schwangerschaft. Man ist lange, lange in Vorfreude, aber irgendwann sagt man dann: Jetzt muss es raus. Jetzt lasst uns endlich auf die Bühne!

  • Die Welt ist ja momentan ein bisschen ein Irrenhaus. Was machst du, um selbst nicht verrückt zu werden?

Naja, wie viele schöpfe ich viel Kraft aus der kleinen Zelle. Wenn einem schon die große weite Welt nicht offen steht, konzentriert man sich eben auf den Zusammenhalt in der Familie. Letztendlich auch auf die Freunde, auch wenn man sich nicht so oft sehen kann oder nicht so intensiv, wie man das eigentlich möchte, weiß man ja doch, dass man emotional verbunden ist, und das gibt auch viel Kraft. Ich merke, wenn ich ein bisschen aus der Balance gerate, dann hilft mir schon auch Yoga, weil ich dann so eine Art Rendezvous mit mir selber habe und mir auch bewusst Zeit für mich nehme. Aber mir geht es letztendlich sehr gut und ich führe mit meinen Lieben ein tolles Leben. Ich habe wirklich keinen Grund, mich zu beklagen, auch wenn es für uns alle fordernde Zeiten sind.

  • Ist jetzt ein guter Zeitpunkt für ein „Starmania“-Revival?

„Starmania“ ist eine Marke, und eine Marke muss man hegen und pflegen. Das ist ja eigentlich ein unermesslicher Wert, den man da hat. Es wurde Zeit, dass man die Marke wiederbelebt. Und momentan ist sowieso eine Phase, wo wir alle viel zu Hause sind und Unterhaltung und Ablenkung brauchen. Die Vorzeichen stehen für eine derartige Sendung also wirklich sehr gut. Und bei „Starmania“ kommt zusätzlich der Österreich-Gedanke dazu. Das ist halt Heimat, das sind unsere Talente. Das ist wirklich homemade.

  • Bist du nach all den Jahren noch nervös vor so einer Liveshow?

Nervös ist nicht der richtige Ausdruck, aber ich bin auf jeden Fall sehr konzentriert und fokussiert, weil ich weiß, da geht’s jetzt um was. Viele haben im Vorfeld sehr lange daran gearbeitet, dass das wirklich gut wird, und irgendwie habe ich das Gefühl, am Ende übergeben sie mir dann das Päckchen und sagen: So, jetzt ist es dein Baby, geh raus und mach was draus.

  • Was müssen die Starmaniacs außer einer tollen Stimme mitbringen?

Sie müssen sich auf jeden Fall auf der Bühne wohlfühlen. Aber was es braucht, ein Star zu werden, das kann man nicht erklären. Wenn es so einfach wäre, könnte man sich das ja basteln. Es geht um die Präsenz, die Ausstrahlung, das Charisma, das jemand auf der Bühne hat. Die größten Stars sind nicht immer die allerbesten Sänger, aber die kommen auf die Bühne und ziehen das Publikum in ihren Bann. Das ist einfach eine Frage der Energie.
Auf der anderen Seite hat es auch einen gewissen Charme, wenn jemand ganz ungeschliffen ist und ganz unbedarft. Das finde ich auch ganz entzückend. Und wenn man dann sieht, wie sich so eine Person nach einiger Zeit verwandelt und auch wächst, da passiert schon was. Das macht was mit den Kandidatinnen.

Man sollte sich ein dickes Fell wachsen lassen. Weil man viel Liebe und Lob bekommt, aber auch viel Schelte.

  • Welchen Tipp würdest du den Kandidatinnen und Kandidaten vor der ersten Show geben?

Mit viel Freude erst mal einzusteigen, sich auf das Abenteuer einzulassen, es als Reise zu sehen. Als spannende Reise. Und sich auf jeden Fall ein dickes Fell wachsen lassen, weil man bekommt viel Liebe und viel Lob, aber auch viel Schelte ab.

  • Du setzt dich seit Jahrzehnten für Integration und Toleranz ein. Die deutsche Journalistin Alice Hasters hat ein Buch mit dem Titel “Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ geschrieben. Was würdest du den Menschen da draußen dahingehend sagen?

Also erstmal ist es für einen weißen Menschen fast unmöglich, nachzuvollziehen, wie man sich fühlt und was man erlebt, wenn man auf den ersten Blick schon so anders aussieht. Wenn man eine andere Hautfarbe hat und offensichtlich aus einer anderen Kultur kommt. Weil das ja das erste ist, womit man in Erscheinung tritt. Da läuft im Kopf des Gegenübers auf jeden Fall schon mal ein Programm ab, positiv wie negativ.

Arabella Kiesbauer
ORF.at/Dominique Hammer
Arabella Kiesbauer setzt sich seit Jahrzehnten für Integration und Toleranz ein

Das heißt, du hast entweder auf der einen Seite einen gewissen Vorschussbonus in Sachen Exotik etwa, oder aber eben gleich ein Manko in Sachen Rassismus. Du bist gleich mal besetzt. Da hast du aber von deinem Charakter oder deiner Persönlichkeit noch gar nichts offenbart. Das prägt dann natürlich Menschen, die anders aussehen. Manche ziehen sich zurück und sind eingeschüchtert, und manche machen dann extralaut oder extraschnell einen Schritt nach vorne. Und dass es so viel Alltagsrassismus gibt, das kann man sich als weißer Mensch auch nicht vorstellen. Weil man sich ja denkt, das haben wir schon überwunden, aber dem ist noch nicht so.

  • Im erwähnten Buch geht es vor allem darum, unbewusste Vorurteile aufzuzeigen …

Arabella Kiesbauer im Porträt

Kultjugendsendung, tausende Talkshow-Folgen, Briefbombenanschlag, Privatperson. Mehr dazu …

Keiner hört gern die Frage: Wo kommst du her? Im Gespräch mit anderen Betroffenen merke ich, wie wahnsinnig sensibel viele sind. Ich verstehe das, habe selber aber wenig Probleme damit. Aber ich bin da die Ausnahme, glaube ich. Ich habe auch kein Problem damit, wenn jemand sagt: Diese Haare sind ja Wahnsinn. Darf ich da mal rein greifen? Ich bin ja mittlerweile auch stolz auf meine Haare. Früher habe ich sie nicht gemocht. Grad zu kleinen Kindern – wenn die dann so schauen – sage ich: Magst du da mal rein greifen? Das ist wie Wolle.

Das ist ja auch verbindend. Dann merken die gleich: Die schaut zwar ein bisschen anders aus, aber die ist eh lustig und unkompliziert. Damit kannst du auch viele von diesen Vorurteilen gleich wieder abbauen. Aber natürlich muss man auch respektieren, wenn jemand andere Befindlichkeiten hat. Alltagsrassismus ist ein Problem.

  • Welchen Song würdest du gern auf der „Starmania 21“-Bühne hören?

Ich liebe Musik und bin offen für alles. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich gerne so singen können wie Whitney Houston in ihrer besten Zeit. Ich hätte gerne so eine Megastimme. Oder Tina Turner, die ist von der Persönlichkeit her so toll, man kann sich noch erinnern, wie sie auf der Bühne stand. Solche Songs, wenn das jemand so singen kann, da geht einem das Herz auf. Balladen sind schon toll. Da misst man sich aber halt mit den ganz Großen. Das ist natürlich schwierig.